Was zum Geier ist independent? Statements von Dominik Kamalzadeh.
Das kleine englische Wörtchen "independent" heißt viel mehr als die deutsche Übersetzung "unabhängig", die den Begriff nur unzureichend einzugrenzen vermag. Independent steht synoym für gleich mehrere Sparten eines gar nicht so kleinen Spektrums. Die folgenden - wörtlich transkribierten - Statements entstammen der Podiumsdiskussion zur Eröffnung von VIS Vienna Independent Shorts 2005, die sich der Frage "Was zum Geier ist independent?" widmete.
"Es stimmt sicher, dass der Independent-Begriff einmal primär aus dem amerikanischen Raum kommt und quasi eine Absetzungsbewegung zum Studio-Kino bedeutet hat. Ich würde in Zweifel stellen, ob das heute noch der Fall ist, weil das klassische Independent-Kino der 80er-Jahre, also Jarmusch und solche Leute, heute längst in einen Medien-Verbund eingebunden ist und über Studios wie Miramax zum Beispiel, oder Sundance, auch schon einen Trend hin zum Konventionelleren hat. Der Druck von außen, der ökonomische Druck ist schon weitaus größer geworden. Wenn man es global sieht, sieht die Sache wahrscheinlich noch einmal anders aus. Da müsste man sich verschiedenste Produktionen von nationalen Kinematographien anschauen, die wiederum auf ganz eigene Produktionsbedingungen zugreifen, die dann teilweise auf sehr verqueren Wegen zu Stande kommen. Ob das jetzt spezifische Fonds von Filmfestivals sind, wie beim Filmfestival in Rotterdam, oder, wichtig – der „Feind“ – Fernsehsender, die in manchen Ländern weitaus rigoroser so etwas wie ein unabhängiges Kino fördern."
"Was vielleicht irgendwie der brauchbare Begriff wäre, um über solche Dinge zu sprechen: ein armes Kino, das im Diskurs um ein Weltkino oftmals dem afrikanischen Kino zugestanden worden ist, das ein Kino ist, das vom Rande her irgendwohin drängt und man weiß eigentlich nicht genau wohin. Wo sind die Öffentlichkeiten für so ein Kino, das nicht von der Position der Macht her argumentiert, sondern auf bestimmten Traditionen aufbaut, die vielleicht gar nicht den Platz in unserem kollektiven Unbewussten haben, mit dem wir tagtäglich Medienbilder verarbeiten."
"Ich glaube nicht, dass es so was formale oder inhaltliche Kriterien gibt, die auf das Label independent zu bringen wären. Ich glaube umgekehrt, dass sie immer dann, wenn sie auftauchen, schon nicht mehr independent sind. Ein Independent-Kino – oder ein armes Kino, würde ich lieber sagen – ist per definitionem nicht auf einen inhaltlichen oder auf einen ästhetischen oder formalen Nenner zu bringen, sondern entzieht sich dem immer schon."
Dominik Kamalzadeh ist Filmjournalist bei der österreichischen Tageszeitung Der Standard.
Transkribiert von Raimund Liebert.
Weitere Statements:
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