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VIS Vienna Independent Shorts

das 5. internationale Kurzfilmfestival in Wien
16.-23. Mai

Was zum Geier ist independent? Statements von Wolfgang Ritzberger.

Das kleine englische Wörtchen "independent" heißt viel mehr als die deutsche Übersetzung "unabhängig", die den Begriff nur unzureichend einzugrenzen vermag. Independent steht synoym für gleich mehrere Sparten eines gar nicht so kleinen Spektrums. Die folgenden - wörtlich transkribierten - Statements entstammen der Podiumsdiskussion zur Eröffnung von VIS Vienna Independent Shorts 2005, die sich der Frage "Was zum Geier ist independent?" widmete.


"Independent ist es deshalb, weil es mit Geld zu tun hat – und zwar retrograd, wie die Mediziner oder die Buchhalter sagen. Retrograd heißt verkehrt herum. Das hat natürlich nicht mit Geld zu tun. Es hat mit Geld zu tun, das nicht da ist, und das ist independent."

"Das ist ein circulus vitiosus – eine Katze oder ein Hund oder was auch immer für ein Viech, das sich in den Schwanz beißt. Weil sie kein Geld bekommen und weil es auch keine Abspielflächen für solche Filme gibt, kriegen sie auch kein Geld. Also so wie: keine Arbeitsgenehmigung, daher keine Aufenthaltsgenehmigung. Und wie durchbreche ich das?"

"Es gibt einen guten und einen schlechten Film, ob der jetzt mit viel oder wenig Budget gemacht worden ist, ob der mit viel Aufwand oder wenig Aufwand, ob der jetzt vom Jim Jarmusch gedreht worden ist oder ob der Roland Emmerich Drehbuch und Kamera gemacht hat, oder Regie, oder ob da ein Riesen-Hollywood-Studio dahinter ist. Das ist der Marktmechanismus, der damit verbunden ist. Das ist mir gleich."

"Ich würde mich als so genannter Filmemacher – das ist ein Wort, wo mir auch die Gänsehaut über den Buckel rinnt, ich bin Regisseur und Produzent – dagegen wehren, in ein irgendein Kistel hineingesteckt zu werden, das von Haus aus insinuiert, dass ich ein armer, Hunger leidender Mensch bin, der vom Fensterkitt lebt und sich das Drehbudget und das Kinematerial von der Kodak schnorrt und bettelt und bei der Lista auf der Tackn übernachtet, damit sie mir noch einen Farbabgleich machen, und alle Cutter und Schauspieler dieser Welt anschnorrt, dass sie um ein Packerl Buttermilch und eine Käsesemmel bei mir mitspielen. Ist für viele sicher Realität, keine Frage. Aber kein einziger dieser macht diesen Film, damit er leidet. Jeder sieht das als einen Job an und soll das Recht haben, davon leben zu dürfen."

"Film ist zu achtzig Prozent ein Wirtschaftsunternehmen, ganz wurscht wo ich ihn jetzt ansiedle. Da gehts um Geld und Geld macht vieles dann möglich."

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand freiwillig einen Film produziert und sagt, ich will aber nur, dass den 10.000 Leute sehen."

"Die Fördermittel, die es in Österreich gibt um Film zu fördern, sind sehr eng begrenzt und sind wahrscheinlich sogar kleiner, als der Freistaat Bayern für Absolventenfilme der Münchner Filmhochschule ausgibt. So ungefähr ist die Dimension. Das hat letztens der Direktor der Filmhochschule München bei einer Diskussion auf der Filmakademie von sich gegeben, also das Zitat ist nicht einmal von mir. Und der [Peter] Mayer, der Chef der Filmakademie, hat dazu lächelnd genickt, mehr ist ihm dazu auch nicht eingefallen – wobei, der kann auch nichts dafür, weil das ist eine Frage des Bewusstseins unserer Politiker. Wir haben neun Millionen Euro, glaube ich, im ÖFI, davon sind heuer 1,6 Millionen für 8x45 an den ORF gegangen. Um dieses Geld soll in Österreich Spielfilm produziert werden – da kann man sich ja ausrechnen, wie das funktioniert."


Wolfgang Ritzberger
ist Filmregisseur und Produzent sowie Chefredakteur der Zeitschrift media-biz.

Transkribiert von Raimund Liebert.

 

Weitere Statements:

Dominik Kamalzadeh | Christine Dollhofer | Michael Loebenstein