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VIS Vienna Independent Shorts

das 5. internationale Kurzfilmfestival in Wien
16.-23. Mai

Hubert Sielecki und Österreichs Film-Avantgarde (4)

Filmstill: Buchfabrik

Möbiusschleifen und andere Wiederholungen

Im Programmheft von VIS Vienna Independent Shorts 2006 heißt es zu Hubert Sieleckis Ein Stein rollt: „Durch ständige Wiederholung und Erweiterung des Bild- und Textflusses wird das (De-)Konstrukt Sprache aufgerollt. Eine visuelle und sprachliche Möbius-Schleife.“ Möbius-Schleife ist ein Begriff aus der Mathematik und bezeichnet eine dreidimensional wirkende, jedoch tatsächlich zweidimensionale Struktur, die aus nur einer Fläche und nur einer Kante besteht. Ihr fehlt die Mitte, sie hat die Wiederholung und Unendlichkeit als Prinzip.

In Buchfabrik (1996) fahren wir ein zweidimensional gezeichnetes phantastisches Fließband aus Maschinen, Fabelwesen, Kerzen, Blumentöpfen und weiteren sinnlichen Objekten ab, bis mit einem großen Hammer Bücher auf einen Stapel geschlagen werden. Die Kamera fährt zurück und das Bild teilt sich in drei parallele waagrechte Streifen, wobei im oberen und unteren das Fließband zu sehen ist und im mittleren ein Schriftzug mit dem Filmtitel. Anschließend fährt die Kamera auf das zweite, mit dem ersten identische Fließband zu und die Fahrt das Fließband entlang wie zu Beginn des Films wiederholt sich vollständig.

In Spur wiederholen sich einzelne Begriffe und Wortfolgen immer wieder, im Bild wie im Ton. In Österreich ! ist es das Wort Österreich, das scheinbar unendlich oft wiederholt wird. Im Segment ungleiche brüder, Teil von SEHEN – fünf kinematographische sprechtexte, ist die Filmaufnahme einer Meereswelle zu sehen, die abwechselnd vorwärts und rückwärts abgespielt wird. Sie folgt damit jeweils einer Verszeile des aus dem Off gesprochenen Texts über Kain und Abel. Auch die Erzählerstimme wird alternierend höher und tiefer. Die Wiederholung in Bild und Tonfall setzt sich bis zum Ende des Sprechtexts fort.

Die Wiederholung ist ein wiederkehrendes Stilprinzip bei Hubert Sielecki. Sie vertieft und sie variiert, da sie immer Teil einer Bewegung ist. In der österreichischen Film-Avantgarde wiederholen sich Haltungen und Ausdrucksformen, derer sich auch Hubert Sielecki bedient. Sein filmisches Werk ist daher Teil dieser Avantgarde – seit vier Jahrzehnten.

 

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