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VIS Vienna Independent Shorts

das 5. internationale Kurzfilmfestival in Wien
16.-23. Mai

Hubert Sielecki und Österreichs Film-Avantgarde (1)

Filmstill: Spur

Österreichs Film-Avantgarde zwischen Epochalisierung und Archetypisierung

Was ist die österreichische Film-Avantgarde oder der österreichische Avantgardefilm? Schon an der Art der Fragestellung zeigt sich die Problematik der Begriffsfindung. Ob man es nun Avantgarde nennen soll, Experimentalfilm, Underground-Film oder andere Bezeichnungen finden muss, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Tendenziell geriet seit den 1960er Jahren der Begriff Experimentalfilm zu Gunsten von Avantgardefilm für jenes österreichische Filmschaffen, das hier gemeint ist, ins Hintertreffen. Den Begriff Underground hat die Filmwissenschaftlerin Birgit Hein mit den Worten, er sei „heute zum Werbeslogan zur kommerziellen Auswertung von Subkultur geworden“, schon Anfang der 1970er Jahre hinterfragt. Auch der Avantgardefilm hatte seine Begriffskrisen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll, findet er doch als Bezeichnung auch im neuen Jahrtausend weiterhin Verwendung.

In Bezug auf Hubert Sielecki weitaus zentraler ist die Frage, ob die österreichische Film-Avantgarde eine filmgeschichtliche Epoche darstellt, die womöglich bereits längst abgeschlossen ist, oder ob sich dabei um gewisse künstlerische Grundzüge handelt, die schon archetypischen Charakter besitzen.

Hans Scheugl spricht von zwei Generationen des österreichischen Avantgardefilms, von denen die erste – mit Namen wie Kurt Steinwendner, Peter Kubelka, Herbert Vesely, Ferry Radax oder Marc Adrian – in den 1950er Jahren zu arbeiten begann und die zweite, zu der Scheugl unter anderem Valie Export, Peter Weibel und Ernst Schmidt jr. zählt, in den 1960er Jahren aktiv wurde. Wenn nun bei Johann Lurf, geboren 1982, im Jahr 2007 in Vertigo Rush eine Kameratechnik eine Inhaltsangabe begründet, ist es nicht weit zu den metrischen Filmen von Peter Kubelka ein halbes Jahrhundert zuvor. Wenn nun von SI.SI. Klocker, geboren 1967, im Jahr 2005 in Laura. Was Sie schon immer über Telefonsex wissen wollten eine derb-ironische Telefonsex-Performance präsentiert wird, existieren durchaus Verbindungslinien zur künstlerischen Verwendung von Sexualität bei Valie Export in den 1960er Jahren.

Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich die österreichische Film-Avantgarde nur schwer als eine Epoche sehen, deren Protagonisten spätestens seit den 1960er Jahren Filme schufen – was auf Hubert Sielecki im Übrigen zutreffen würde, der schon 1968 mit Experimenten mit 8mm-Film begonnen hatte. Jene wiederkehrenden Techniken und Arbeitsweisen, Objekte und Topoi, in deren Gewebe sich die österreichische Film-Avantgarde ausmachen lässt, sind jedoch umgekehrt keine zeitlosen Marksteine mit archetypischem Status. Die österreichischen Avantgardefilme seit den 1950er Jahren bis heute besitzen Referenzen zueinander, die als historisch gewachsen zu sehen sind, jedoch nicht immer mit Einflussnahme oder Nachhall verwechselt werden dürfen. „Jedes Mal wieder kommt der gleiche Anblick wie ein Bodenzeichen unter den Füßen“, heißt es in Sieleckis Film Spur (2006).

 

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