Was zum Geier ist independent? Statements von Christine Dollhofer.
Das kleine englische Wörtchen "independent" heißt viel mehr als die deutsche Übersetzung "unabhängig", die den Begriff nur unzureichend einzugrenzen vermag. Independent steht synoym für gleich mehrere Sparten eines gar nicht so kleinen Spektrums. Die folgenden - wörtlich transkribierten - Statements entstammen der Podiumsdiskussion zur Eröffnung von VIS Vienna Independent Shorts 2005, die sich der Frage "Was zum Geier ist independent?" widmete.
"Also independent, da muss man glaube ich einmal den Begriff überhaupt differenzieren. Er kommt eher aus dem amerikanischen Studio-Kino: unabhängig von einem Studio-Kino. Es hat immer mit Produktionsbedingungen zu tun. Independent ist ein eher schwammiger Begriff. Es hat etwas mit Geld, mit Markt oder mit verrückten Filmemachern zu tun, die irgendwie ihren eigenen Weg gehen. Ich würde das auch gar nicht so defensiv sehen. Es gibt ganz tolle Filme, die unter sehr schwierigen Produktionsbedingungen entstanden sind. Das ist jetzt kein Kriterium fürs Filmemachen."
"Independent, das ist AutorInnen-Kino, also unabhängiges Kino, wo der Autoren-Begriff im Zentrum steht, versus der großen Studio-Produktionen. Das würde ich einmal allgemein so definieren."
"Es gibt so viele unterschiedliche filmische Ansätze und formale Zugänge. Dem entsprechend schaut auch der „Markt“ oder auch der Festivalbetrieb aus. Es gibt für jede Gattung, für jedes Genre eigene Festivals, und die sind sehr erfolgreich. Also ob das jetzt ein Animationsfilm oder ein Avantgardefilm ist oder ob das jetzt Dokumentarfilme sind, auch da gibt es schon innerhalb der einzelnen Abteilungen wieder Unterabteilungen, wo sich Festivals spezialisieren – und das sind ja auch sehr gut besuchte Veranstaltungen. Ich plädiere da jetzt für die Vielfalt. Es geht nicht immer um die großen Kinoproduktionen, von denen wir reden. So gesehen ist ganz Europa eine einzige Independent-Landschaft, und innerhalb dieser Independent-Landschaft gibt es Subabteilungen. Die gehen halt bis dahin, dass Leute einfach ohne Geld, sondern nur mit einer Idee, einer Ambition oder einer Vorstellung, an ein Projekt rangehen."
"Man fängt ja nicht mit einer großen Produktion an, sondern man fängt ja langsam an. Jeder kann innerhalb des Independent-Bereichs in die Liga der geförderten Abteilung aufsteigen. Das ist sicher ein harter, steiniger Weg und auch nicht immer das Ziel von allen."
Christine Dollhofer ist Festivalleiterin von Crossing Europe und ehemalige Diagonale-Intendantin.
Transkribiert von Raimund Liebert.
Weitere Statements:
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