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VIS Vienna Independent Shorts

das 5. internationale Kurzfilmfestival in Wien
16.-23. Mai

Tribute to Chantal Akerman

Termin: Montag, 19. Mai 2008, 19:00
Ort: Top Kino [Location-Info]
Moderation und Einführung in das Programm: Barbara Schubert (VIS Festivalleitung)

Tickets: 7 Euro (Normalpreis) / 6 Euro (ermäßigt)
> Tickets online reservieren

 

Mit 15 Jahren sah Chantal Akerman den Film Pierrot le Fou von Jean-Luc Godard. Dieser Impuls habe sie motiviert Filmemacherin zu werden, wird die 1950 geborene Belgierin gemeinhin zitiert. Für vier Monate besuchte Akerman die Filmhochschule in Brüssel (INSAS), erhielt dort nach eigenen Angaben aber keinerlei Anregungen. Im Alter von 18 Jahren drehte sie dann den Kurzfilm Saute Ma Ville und schrieb sich erstmals in die Annalen der Filmgeschichte ein – mit einem explosiven Meisterwerk, das noch immer auf Filmhochschulen gezeigt wird und heute als eines der zentralen (kurzen) Werke des 20. Jahrhunderts gilt.

Akerman realisierte seitdem mehr als 40 dokumentarische, experimentelle und narrative Kurz- und Langfilme, darunter 1972 mit La Chambre einen weiteren Meilenstein der Kurzfilmgeschichte. Erst drei Jahre später sollte die heute in Paris lebende Künstlerin mit Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles ihren ersten Langfilm drehen und sich als eine der wichtigsten Autorenfilmerinnen der Gegenwart etablieren. Sie schuf weithin geschätzte Kurzfilme wie J’ai faim j’ai froid (1984) ebenso wie "lange" Publikumserfolge wie Un divan à New York (1996) mit Juliette Binoche oder La Captive (2000) mit Sylvie Testud.

Mit Sicherheit nicht unwesentlich für die filmische Entwicklung war ihr New-York-Aufenthalt Anfang der 70er Jahre, als sich Akerman eingehend mit den Avantgardisten Stan Brakhage, Michael Snow und Jonas Mekas beschäftigte. Sie fühlte sich ermutigt, organische Techniken auszuprobieren, lange Einstellungen zu verwenden und in der Beziehung zwischen der Hauptfigur und dem Raum, in dem sie sich bewegte, ausgiebig mit Licht zu arbeiten. Ihre filmischen Arbeiten sind oft in Echtzeit gedreht und lassen eine intensive Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen Ton und Bild erkennen.

"Plotting is minimal or non-existent in Akerman films", schrieb Lillian Schiff in ihrer Rückschau auf Akermans Werk, das jüngst mit einer dokumentarischen Episode für den Kollektivfilm O Estado do Mundo eine Ergänzung erfuhr. Während Akermans Filme im französischsprachigen und angelsächsischen Raum breite Anerkennung (auch im theoretischen Bereich) erfuhren, ist im deutschsprachigen Raum weiterhin wenig bis gar nichts über die Filmemacherin erhältlich. Und das, obwohl nicht zuletzt ihre kurzen Arbeiten – einige von ihnen verschollen, andere schwer bis gar nicht erhältlich – zum Besten zählen, was in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf Zelluloid gebannt wurde.

 

FILMPROGRAMM

J’ai faim j’ai froid
Trois Strophes sur le Nom de Sacher

 

 

 

 

Saute Ma Ville

1968, 13 min
Akermans erster Film: Alltägliche, bürgerliche Aktivitäten einmal anders, zur letzten Konsequenz getrieben und mit Explosionskraft. Ein frühes Meisterwerk.

 

La Chambre

1972, 11 min
Der Film zeigt, was der Titel verspricht: Ein (Schlaf-)Zimmer. Gefilmt in mehreren 360-Grad-Schwenks, in Echtzeit, ohne Schnitt. Eingebettet in diese strukturierte, fast rituelle Rundschau ist menschliche Bewegung.

 

J’ai faim j’ai froid

1984, 12 min
Zwei Mädchen reißen aus von Brüssel Richtung Paris (diesen Weg hat Akerman selbst übrigens auch eingeschlagen) und stellen fest, dass sich die Dinge nicht ganz so präsentieren, wie sie sich das vorgestellt haben – unter anderem ist ihnen – wie der Titel andeutet – kalt, und sie haben Hunger.

 

Trois Strophes sur le Nom de Sacher

1989, 13 min
Eine Frau allein in einem Raum – ein Bild mit Wiedererkennungswert in den Filmen von Chantal Akerman. Hier ist es eine Violoncellistin, die das das titelgebende Stück von Henri Dutilleux interpretiert. Ganz für sich und ganz offensichtlich animiert von den Dingen, die in ihr vorgehen und die sich in ihrer Spielweise widerspiegeln.

 

+ ÜBERRASCHUNGSFILM

Wir freuen uns, im Rahmen dieses Tributes die Vorführung eines zusätzlichen außergewöhnlichen Kurzfilms einer weiteren bekannten Filmregisseurin ankündigen zu können, die ihren Film persönlich vorstellen wird.