Berlin ’89 – Von Mauern und Menschen
Termin: Mo 18.5.2009, 19:00 – im Rahmen der Nacht der Wende
Ort: Top Kino [Info]
Wh.: Di 19.5.2009, 21:00 im Schikaneder
Berlin, die heute nach Einwohnern zweitgrößte Stadt der Europäischen Union (Einige Zahlen über die Bevölkerung Berlins), stand lange Zeit weder für Größe noch für Einigkeit. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs in einen West- und einen Ost-Teil getrennt, wurde die Teilung ab 1961 mit der Berliner Mauer deutlich sichtbar. Während im Westen die USA mit dem Marshallplan durchaus erfolgreich versuchten, Werte wie Freiheit, Konsum und freie Marktwirtschaft zu propagieren (Air of Freedom), wurde in der DDR der 70er Jahre das schöne Leben im Ostteil der Metropole beworben (DEFA Disco Film – Berlin). Doch das Unbehagen wuchs zusehends, wie der Doku-Klassiker Ein-Blick von Gerd Conradt eindrucksvoll vermittelt. Als die Mauer, die lange Zeit als Projektionsfläche diente (Die andere Seite, Berliner Blau), schließlich 1989 nach über 28 Jahren fiel, dauerte es nur ein Jahr bis zur so genannten Deutschen Einheit. Den langen Weg bis dahin und den Geist, der heute in Berlin lebt (Fliegenpflicht für Quadratköpfe), zeichnet dieses Programm stilsicher und pointiert nach.
Ein Gastprogramm des Berliner interfilm Festivals, kuratiert von Heinz Hermanns in Zusammenarbeit mit VIS.
Air of Freedom
BRD 1951, 11 min
Regie: unbekannt | Produktion: ECA Western Germany and the U.S. High Commission for Germany (HICOG) and OSR
Der berühmte Radiosender RIAS (Radio in the American Sector), der den West- und Ostsektor der Stadt und die Bewohner der Ostzone mit Nachrichten und Unterhaltung versorgte, wird vorgestellt. In den Westsektoren schreitet der Wiederaufbau der Stadt und der Industrie dank der Hilfe des Marshallplans rasch voran. Bekannte europäische Künstler geben ein Konzert. Paul Hoffmann, Leiter des Marshallplans, eröffnet den amerikanischen Pavillon auf der neuen West-Berliner Industriemesse. (Sandra Schulberg)
DEFA Disco Film – Berlin
DDR 1977, 6 min
Regie: Uwe Belz
Eine Liebeserklärung an die Hauptstadt der DDR, ein historisches Dokument und eine Entdeckung im Archiv der DEFA: In operettenhafter Fröhlichkeit und dem Look der 70er ist das östliche Zentrum flott rausgeputzt, rund um den Alex herrscht das Glück der Arbeiter und Bauern, und quietschfidel wird die Kultur des urbanen Fortschritts bejubelt. Das farbenfrohe Werk entstand als Teil einer DEFA-Serie über Popbands aus dem ehemaligen Ostblock. Der Soundtrack von DDR-Jazzpionier Günther Fischer wirkt rührend wie verlockend: "Komm, komm in die Stadt, die Linden sind heute so grün und schön! Lass uns einfach gehen!"
Die andere Seite
UK 2007, 5 min
Regie: Ellie Land
"Was ist auf der anderen Seite?", fragte sich Ellie Land, als sie in den achtziger Jahren als Kind in West-Berlin lebte. Fasziniert von ihren eigenen wilden Spekulationen über die verbotene andere Seite befragte sie Menschen aus Ost- und West-Berlin nach deren Kindheitsphantasien. Ergebnis ist ein animierter Dokumentarfilm über eine geheime Welt, die nur einige Meter entfernt war.
Ein-Blick
BRD 1987, 11 min
Regie: Gerd Conradt
Ein Dokumentarfilm-Klassiker über die Berliner Mauer: Einen Tag lang blickt eine Kamera in den Grenzstreifen zwischen Treptow und Kreuzberg: zwölf Stunden lang ein Bild pro Sekunde. Im Zeitraffer jagen wir durch den Alltag aus Grenzbefestigung, Wäsche aufhängen, Tischtennis und deutsch-deutschem Wahnsinn, während ein bekanntes Volkslied den Ton angibt. Gerd Conradt drehte Ein-Blick als Student an der dffb. Wiederkehrende Themen in Conradts Porträts, Dokumentarfilmen und Videoinstallationen sind die Stadt Berlin, die Studentenbewegung und die RAF, so auch in seinem bekanntesten Langfilm Starbuck Holger Meins.
Einige Zahlen über die Bevölkerung Berlins
Deutschland 1994, 3 min
Regie: Ralf Schuster
Weil es so schwierig ist, sich die Zahl der Berliner Bevölkerung vorzustellen: Mit präzisen mathematischen Berechnungen und einem kräftigen Schuss Sarkasmus gelang es Ralf Schuster 1994 in seiner Animation, die Berliner zu versammeln und deren Masse zu verdeutlichen. Die zentrale Frage: Wie lange würde es dauern, bis sich alle 3,5 Millionen Einwohner Berlins vom Fernsehturm gestürzt haben? – Endlich Wissenschaft, die vorstellbar ist!
Berliner Blau
BRD 1986, 15 min
Regie: Hartmut Jahn, Peter Wensierski
Welchen Einfluss hat die Berliner Mauer auf die Psyche der Berliner? Das zeigt der Film, der künstlerische Aktionen mit Vera Schrankl, Thierry Noir und Arthur Kuggeleyn spielerisch vereint. Aus Schandmauer (West) und Schutzwall (Ost) wird in der experimentierenden Handschrift der Filmemacher die Mauer von einem politischen Objekt zu einer subjektiven Projektionsfläche, die den Beton zum Brodeln bringt. Während Peter Wensierski heute als Autor arbeitet, ist Harmut Jahn Filmautor und Produzent von Spiel- und Dokumentarfilmen.
Die Klärung eines Sachverhalts
Deutschland 2008, 20 min
Regie: Christian Prettin, Sören Christian Hüper
Karl Marx Stadt 1985: Im Rahmen einer 24-stündigen Befragung versucht ein Offizier der Staatssicherheit den Ingenieur Jürgen Schulz von seinem Ausreisewunsch in den Westen abzubringen. Um sein Ziel zu erreichen, zieht der Vernehmer alle Register...
Fliegenpflicht für Quadratköpfe
Deutschland 2004, 14 min
Regie: Stephan Flint Müller
Wenn die Wahrnehmung turbo geht, der Witz der Wirklichkeit abgewonnen wird und die Originalität kaum überboten werden kann: Berlin ist der Abenteuerspielplatz für den Einfallsreichtum des Jungfilmers Stephan Flint Müller. Zur "nachhaltigen Langeweileverscheuchung" führt die "Berliner Flitzpiepe" akrobatische Performances mit tonnenschweren Hüten, slapstickartige Interaktionen mit Werbeplakaten und erheiternde Experimente mit Kameraperspektiven auf. Müllers Film gewann zahlreiche Kurzfilmpreise, u. a. 2004 den interfilm-Publikumspreis Eject für den abwegigsten Film.





