Tribute to Miranda July
1. Termin: Mittwoch, 16. Mai 2007, 22 Uhr [Tagesüberblick Mittwoch]
2. Termin: Freitag, 18. Mai 2007, 21 Uhr 15 [Tagesüberblick Freitag]
In Anwesenheit von Mara Mattuschka.
Ort: Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien

- Miranda July
Mit ihrem Spielfilmdebüt Me And You And Everyone We Know hat sich Miranda July mit einem Schlag eine riesige Fangemeinde gesichert. Ohne Stars und mit geringem Budget gelang ihr ein „kleines filmisches Wunder“, wie die Presse gern schrieb: Die originelle US-Independent-Komödie wurde 2005 mit Preisen beim Sundance-Filmfestival und in Cannes ausgezeichnet, bei der Viennale war der Film wenige Monate später einer der Publikumslieblinge. Kein Wunder also, dass der Film bald in der DVD-Edition des größten Filmfestivals Österreichs seinen gebührenden Platz finden wird.
Doch schon vor dem Erfolg mit ihrem Langfilm-Erstling ist die Medien- und Performance-Künstlerin mit Video-Arbeiten aufgefallen. In ihrem ersten 10-minütigen Kurzfilm Atlanta aus dem Jahr 1996 stellt July die Pressekonferenz einer jungen Olympiaschwimmerin nach, die gemeinsam mit ihrer Mutter (beide gespielt von July selbst) Journalisten über das große Ziel – „going for the gold“ - Auskunft gibt... nur wessen Ziel? „Schwer erträglich, wie die Tochter vor der Kamera zuckt, während die Mutter aus dem Off raunt, sie solle endlich ‚I love you, mom’ sagen“, beschreibt die Wiener Filmkritikerin Maya McKechneay das Sichtbarmachen des „beklemmenden Macht- und Abhängigkeitsverhältnisses“.
Nur zwei Jahre später folgt das 14-minütige Video The Amateurist, in dem July erneut zwei Rollen einnimmt – die „professionelle“ Frau und die „Amateurin“, die von ersterer seit viereinhalb Jahren Video-überwacht wird. Und wiederum zwei Jahre später folgt der Kurzfilm Nest of Tens, den die 1974 in Barre (Vermont) geborene July im Alter von 25 Jahren dreht – und damit just den Hauptpreis des renommierten Kurzfilmfestivals Oberhausen gewinnt. Der 27-Minüter ist das genaue Gegenteil von ihrem späteren Langfilm – vier düstere, unbehagliche, fast surreale und alptraumhafte Episoden über das Ausüben von Kontrolle.
„Nest of Tens und Me And You And Everyone We Know handeln letztlich beide von Versuchen zu kommunizieren. Ihre Figuren ringen um Worte, Gesten, Aktionen, die jenseits aller Floskelhaftigkeit wirklich Synapsen zur Innenwelt des Gegenübers herstellen. In diesem Sinne hat July auch ihre eigenen Arbeiten immer vor allem als eine Form der Kommunikation begriffen“, schreibt McKechneay: „Kommunikation und ihre Grenzen – so könnte man vielleicht das große Thema von July umschreiben.“ Auch als Performance-Künstlerin sucht die mittlerweile 33-jährige Kunststudiums-Abbrecherin nicht zuletzt den steten Kontakt zum Publikum.
Nach Nest of Tens drehte July – der Künstlername entstand übrigens nach ihrem „kreativsten Monat“, ihr eigentlicher Name lautet Miranda Jennifer Grossinger – noch zwei weitere Kurzfilme, den 7-Minüter Getting Stronger Every Day (2001) über ein lebenslanges Verlorensein und Gefundenwerden sowie den 4-Minüter Haysha Royko (2003) über drei Personen, die Raum und Zeit am Flughafen von Portland negieren. Ihre exzentrisch-liebenswerten Kurzfilme, die u.a. im Museum of Modern Art und im Guggenheim Museum gezeigt werden, sind heuer im Rahmen von VIS Vienna Independent Shorts als Gesamt-Werkschau zu sehen.
FILMPROGRAMM Miranda July
- ATLANTA (1996, 10 minutes)
- THE AMATEURIST (1998, 14 minutes)
- NEST OF TENS (2000, 27 minutes)
- GETTING STRONGER EVERY DAY (2001, 7 minutes)
- HAYSHA ROYKO (2003, 4 minutes)
BONUSFILM: Part Time Heroes

- Part Time Heroes
Vorführung nach einer Pause im Anschluss an das Tribute to Miranda July.
Part Time Heroes
A 2007, 33 min, R: Mara Mattuschka, Chris Haring
Der Film spielt in einem alten Hotel, vier Protagonisten treiben dort ein intensives Spiel mit allen Künsten der Verführung. Jede/r der vier ist auf der Suche nach einem Quäntchen Ruhm, nach Aufmerksamkeit, vielleicht nach Liebe. Über Lautsprecher, Radio, Tanz und Erotik werden Illusionen erzeugt, wird Kontakt vorgegaukelt, werden Inszenierung und Selbst-Inszenierung geprobt - bis hin zur reinen Oberfläche, auf der Identitäten und Räume vollkommen austauschbar werden.
Mara Mattuschka war das Tribute von VIS Vienna Independent Shorts 2006 gewidmet.
Kurzbiographie Miranda July

- Miranda July
Miranda July
Geboren 1974 in Barre, Vermont, USA. Arbeitet als Filmemacherin, Performance-Künstlerin, Autorin und Schauspielerin. Realisiert zahlreiche Kurzfilme, die u.a. im Museum of Modern Art und im Guggenheim Museum gezeigt werden. Sie nimmt Musikalben auf, führt bei Musikvideos Regie und schreibt regelmäßig Kurzgeschichten. 1995 gründet sie Joanie 4 Jackie, einen Filmvertrieb für unabhängige Filmemacherinnen. In Alison Macleans Jesus Son (1999) gibt sie ihr Debüt als Schauspielerin. 2005 drehte sie ihr Spielfilmdebüt Me And You And Everyone We Know.
Links
Kurz nach ihrem ersten Langfilm schrieb sie übrigens drei kurze Dialoge, die von Miguel Arteta in Szene gesetzt wurden und als knapper 4-Minüter im Internet auf YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=asyWVtoCjNM) zu sehen sind.
Auch ein Musikvideo zum Song „Get Up“ der befreundeten Band Sleater-Kinney, bei dem July Regie geführt hat, kann auf YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=ubyVReV2gDc) betrachtet werden.
Die Homepage von Miranda July: http://www.mirandajuly.com