VIS 2004 Abschlussbericht
Es war mein erstes Mal... leidenschaftlich, zärtlich, tiefgehend und aufregend. Es dauerte 168 Stunden, was damit zusammenhängt, dass ich ein Festival bin: Vienna Independent Shorts. Hi.
Begonnen hat alles in Getümmel und Glanz im eleganten Top Kino. Ich platzte aus allen Nähten meiner Shorts, und als der Kinosaal die Masse an Cineasten, Filmschaffenden und Adabeis in sich aufgesogen hatte, spürte ich ziemlich schnell meinen ersten Höhepunkt. In einem hochkarätigen Querschnitt der Festivalwoche präsentierte ich mich auf der Leinwand in all meinen Fassetten.
Danach schuf ich Platz für eine in meinen Augen äußerst provokante Podiumsdiskussion, in der ernsthaft die Frage gestellt wurde, ob Kurzfilm nur ein notwendiges Übel auf dem Weg zum Ruhm ist. Es stritten und diskutierten die Filmemacher Gerald Harringer (MA) und Martin Nguyen (Wirklich), Diagonale-Intendantin Birgit Flos, Filmverleih-Chefin Brigitta Burger-Uzer (sixpackfilm) und Filmjournalist Dominik Kamalzadeh (Der Standard).
Bluepipe TV machte ein cooles Feature über mich, und die Jugendlichen eines Integrationszentrums bekamen auf großer Leinwand den Kurzfilm zu Gesicht, den sie mit dem Medienzentrum extra für mich drehen durften.
Wie viele kleine Filme insgesamt zwischen 6. und 12. Juni auf die Zuschauer losgelassen wurden, weiß ich nicht einmal selbst. Immer dabei war Jacob Grolls spritziger Festivaltrailer, den man gar nicht oft genug sehen konnte.
Richtig romantisch war meine Weltreise in die USA, Kanada, Israel und Australien, bei der mich auch der verschnupfte Beamer (Gott schenke seiner Seele Frieden) nicht bremsen konnte. Die Romantik kam übrigens weniger vom prickelnden Filmprogramm als von der Location, dem wunderschönen Innenhof der Reformierten Stadtkirche.
Unpathetisch europäisch waren die Filme im vollen De-France-Kino. Gut gelaunt und in bester Independent-Stimmung ging‘s dann weiter mit der U2 zum zweiten Europa-Block ins Schikaneder - dem Musterbeispiel dafür, wie wichtig die richtige Atmosphäre für Erotik ist.
Einmal ließ ich einen Abend lang Kurzdokus aus aller Welt vom Stapel, und die Atmosphäre strömte in Licht und Schatten von der Leinwand. Das jenseitige Lachen peruanischer Hochzeitsgäste ließ mich bis zum chilligen Festivallokal Cenario nicht los.
Unvergesslich auch das Best-of-Programm der längst etablierten, aber immer noch schillernden z-movie line oder die audiovisuelle Live-Performance von my perfect TV, die 8mm-Installationen, die Retrospektive des kroatischen RevijaAmaterskogFilma-Festivals, die radikalen undercurrents-Dokus und und und...
Meine Jungfräulichkeit habe ich zwar verloren, reif und abgebrüht bin ich aber sicher nicht geworden. Überzeugt euch selbst - bei Vienna Independent Shorts 2005!
Euer VIS
